23. Oktober 2011

Viele Grüße diesmal aus afrikanisch heißen Temperaturen: ich bin ein
lebendes Beispiel für die Kinder, warum Muzungus für die Sonne nicht
geeignet sind (Sonnenbrand!, was sie sehr fasziniert,) und mache sie
damit stolz auf ihre dunkle Hautfarbe!
Die Routine kehrt ein und der Schulterm neigt sich schon langsam dem
Ende zu, was für die SchülerInnen der 8.Klasse eine Art MSA bedeutet und
für alle anderen Abschlussklausuren. Eigentlich sollten also alle
(Lehrer und Schüler) fleißig sein, lernen und sich vorbereiten. Davon
merkt man hier eher wenig. Es herrscht absoluter Lehrermangel, weil drei
Lehrerinnen in Mutterschaftsurlaub sind und die Vertretung eher schlecht
organisiert ist. Außerdem erscheint man hier auch oft nicht zum
Unterricht, ist auf Seminaren unterwegs, schlägt sich mit Malaria rum
oder kann aufgrund vieler Probleme auf Verwaltungsebene der Schule nicht
arbeiten. Ergebnis ist, dass die SchülerInnen in ihren Klassenräumen
sitzen und sich langweilen; Zeit verrinnt ungenutzt und wie die
SchülerInnen später mal einen guten Schulabschluss und somit eine
Zukunft erreichen sollen, ist fraglich.
Ich muss hier wirklich üben, nicht die Welt retten zu wollen, sondern
klein zu denken – also meine Klassen bestmöglich zu unterrichten, es
aber auch auszuhalten, dass die Nachbarklassen herumsitzen und nichts
lernen. Das ist ist nicht einfach – vor allem, wenn die Kinder überhaupt
nicht gehorrchen und die reguläre Klassenlehrerin, die ich „supporte“,
draußen in der Sonne chillt….

Ich nehme euch mal einen Tag mit in die Schule:
Morgens stehen die Kinder um 5.30 Uhr auf. Dann wird gewaschen, in der
Küche geholfen, die Dormitorys gesäubert, etc. Nach Porridge-Frühstück
sitzt Klasse 8 ab 7.00 Uhr im Klassenraum zum „Studieren“.
Um 8.20 Uhr beginnt offiziell der Unterricht. Meistens werden dann aber
noch SchülerInnen aus den Klassen in die Dormitorys gerufen, weil nicht
genug aufgeräumt wurde, oder sie müssen noch ihren Stift suchen oder
aufs Klo gehen… Die Stunden sind 35 Minuten lang, aber selbst wenn ich
mal 60 Minuten unterrichte oder Hausaufgaben kontrolliere, werde ich
fast nie von einem anderen Lehrer unterbrochen… Theoretisch gibt es
einen Stundenplan, aber praktisch sieht das anders aus. Oft läuft man an
Klassen vorbei, in denen die SchülerInnen herumlungern: (KSL: TEACHER
NOTHING.) Nicht nur wir Volontärinnen sind davon genervt, die
SchülerInnen auch.
Um 11:00 Uhr ist Teabreak: süßer Tee für alle, wenn denn Zucker
vorhanden ist. Zucker ist in Kenya zur Zeit eher ein Luxusgut, was sich
vor allem im Kilopreis (3 Euro) bemerkbar macht. Die Schule hat
eigentlich Geld, aber das verschwindet auch irgendwo… Heute fiel der
Unterricht 1 1/2 Stunden aus, weil alle auf Zucker gewartet haben…
Nach weiteren zwei Schulstunden gibt es um 13:00 Uhr Lunch: Nyoyo – eine
Mischung aus Mais und Bohnen, die zusammen so lange gekocht werden, bis
sie al dente sind. Das isst man dann mit den Fingern. Und da es billig
sein muss, gibt es das JEDEN Tag, trocken, ohne Sauce oder ähnliches.
Um 14:00 Uhr geht der Unterricht dann weiter; für die Kleinen bis um
15.10 Uhr, für die Großen bis 16:00 Uhr. Der Nachmittagsunterricht wird
aber bei einigen Lehrern eher locker gesehen und findet daher nur
teilweise statt.
Ab 16:00 Uhr ist das Schulleben dann vorbei; jetzt heißt es Wasser holen
zum Waschen, Kochen, etc.

Ich erlebe immer wieder Hochs und Tiefs. Tiefs, wenn in Mathe Brüche
völlig kreuz und quer gekürzt werden, nachdem wir seit Wochen
trainieren, dass Zähler und Nenner nur durch die GLEICHE Zahl geteilt
werden können. Hochs, wenn Verständnis in den Augen aufblitzt, Kinder
sich um Arbeitsblätter streiten.
Abstand von der Schule ist manchmal auch ganz gut und wichtig: deshalb
habe ich das letzte Wochenende am Lake Viktoria verbracht. Dort konnte
ich wunderschöne Landschaft genießen, durch nur dünn besiedelte Dörfer
wandern und im Speed Boat über den See schippern. Auch wenn mich alle
bemitleidet haben, dass ich alleine reise, habe ich es genossen!
Viele Grüße,
Freddy

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